Wirtschaftsspiegel Thüringen – Ausgabe 02/2021
Restriktive DS-GVO-Auslegung ist Standortnachteil für Thüringen IHK-Umfrage bestätigt: Die Ergebnisse zeigen, dass die Unter- nehmen mehrheitlich eine in Thüringen eher restriktive Auslegung der DS-GVO beobachten, diese ablehnen und als deutlichen Standortnachteil in den Be- reichen Wirtschaft und Bildung bewer- ten. Etwa zwei Drittel sind dieser Auf- fassung. Vor allem im Bereich der Digitalisierung im Unternehmen sehen ebenfalls zwei Drittel der Befragten die Handhabung der DS-GVO in Thüringen als Hemmschuh. Statt Restriktionen und Verbote wünschen sich zwei Drittel der Unternehmen mehr Unterstützung von der Landesverwaltung und -politik bei der Umsetzung der DS-GVO. Zudem plä- dieren über 90 Prozent der Befragten für eine zeitlich begrenzte und sankti- onsfreie Heilungsfrist bei nachgewiesen nicht-vorsätzlichen DS-GVO-Verstößen sowie für eine deutlich mehr serviceori- entierte und konstruktivere Unterstüt- zung seitens der Landesverwaltung bei der Umsetzung. Alle Unternehmen ha- ben angegeben, dass sie den Schutz persönlicher und unternehmensbezoge- ner Daten als wichtig ansehen. „Die vergleichsweise restriktive Hand- habung der DS-GVO in Thüringen findet in der Unternehmerschaft wenig Rückhalt. Es braucht einen grundsätzlichen Kurswechsel und mehr Bera- tungskapazitäten der Landesverwaltung, um den Wirt- schafts- und Bildungsstandort Thüringen wieder attraktiver zu gestalten“, betont IHK-Hauptgeschäfts- führerin Dr. Cornelia Haase-Lerch. Ein erster Schritt wäre eine konstruktivere Begleitung der Unternehmen bei der DS-GVO-Umsetzung. Gerade für kleine mittelständische Unternehmen (KMU) in Thüringen brauche es mehr Serviceorientierung und Klarheit. „In der Unternehmerschaft besteht nach wie vor großer Beratungsbedarf und auch eine Erwar- tungshaltung, dass die Landesverwaltung mehr unter- stützend tätig wird“, erklärt Haase-Lerch. Umfrage-Ergebnisse in Kurzfassung 99 Prozent der Unternehmen finden den Schutz persönlicher und unternehmensbezogener Daten wichtig, eher wichtig oder sehr wichtig (knapp 60 Prozent sehr wichtig). Über die Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) sieht die Digitalisierung des eigenen Unternehmens durch den Datenschutz gehemmt. Knapp 60 Prozent der Unternehmen bewertet den Umgang mit der DS-GVO in Thüringen als zu restrik- tiv. Knapp zwei Drittel der Unternehmen (64 Prozent) wünschen sich mehr Unterstützung seitens der Landesverwaltung und -politik bei der Umsetzung der DS-GVO. 92 Prozent der Unternehmen wün- schen sich eine zeitlich begrenzte und sanktionsfreie Heilungsfrist bei nachgewiesen nicht-vorsätzlichen DS-GVO-Verstößen. Drei Viertel der Unternehmen wün- schen sich mehr aktive Unterstützung der Landesverwaltung und -politik für Wirtschaft, Bildung und Ehrenamt im Bereich des Datenschutzes. Knapp zwei Drittel (62,5 Prozent) der Unternehmen sind der Auffassung, dass der Datenschutz bei der Kon- taktnachverfolgung und auch in an- deren Bereichen der Pandemie nach- rangig behandelt werden sollten. Knapp zwei Drittel der Unternehmen (65 Prozent) sind der Auffassung, dass die restriktive Auslegung der DS-GVO dem Wirtschafts- und Bildungsstand- ort Thüringen schade. Über 90 Prozent der Unternehmen wünschen sich gerade für KMU deut- lich mehr serviceorientierte und kon- struktive Unterstützung seitens der Landesverwaltung bei der DS-GVO- Umsetzung. (em/tl) Knapp drei Jahre nach dem Inkrafttreten der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) hat die IHK Erfurt Unternehmen im Kammerbezirk nach deren Einschätzungen und Erfahrungen befragt. An der Befragung nahmen etwa hundert Unternehmen aller Größen und Branchen teil. IT-Sicherheit 39 Foto: kran77 -stock.adobe.com
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