Wirtschaftsspiegel Thüringen – Ausgabe 02/2021
Zukunft 20 Foto: Paul-Philipp Braun Forschung und Innovation gerade in der Krise von Bedeutung Thüringer Forschungspreis 2021 „Unsere Gesellschaft insgesamt hängt ab von der Verlässlichkeit wissenschaft- licher Analysen und der Wirksamkeit der Problemlösungen, die die Wissen- schaft entwickelt“, so Tiefensee weiter. Thüringen investiert deshalb allein im laufenden Jahr insgesamt rund 761 Millionen Euro in die Förderung von wissenschaftlichen Projekten, von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie in den Hochschulbau. Die neun zum Wettbewerb eingereich- ten Vorschläge decken ein breites For- schungsspektrum ab: Von Software-Ent- wicklungen und Photovoltaikmodulen über Keramik-Zahnimplantate, Quan- tentechnologie, Forschung zu gesun- dem Leben bis hin zum Bereich der Mikrobiologie. Aus ihnen hat die Jury drei Preisträger bestimmt: einen in der Kategorie „Grundlagenforschung“ und zwei in der Kategorie „Angewandte For- schung“. Grundlagenforschung Der Thüringer Forschungspreis in der Kategorie „Grundlagenforschung“ und ein Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro gehen an Prof. Dr. Klaus Dörre und Prof. Dr. Hartmut Rosa von der FSU Jena sowie Prof. Dr. Stephan Lessenich von der LMU München für ihre Forschungen zum Thema „Postwachstumsgesell- schaften“. Die Professoren Klaus Dörre, Stephan Lessenich und Hartmut Rosa sind die Initiatoren der DFG-Kollegforschungs- gruppe „Landnahme, Beschleunigung, Aktivierung. Zur (De-)Stabilisierung mo- derner Wachstumsgesellschaften“. Die Soziologen untersuchen die strukturel- len Wachstumszwänge moderner Ge- sellschaften, um anschließend in expe- rimentellen Verfahren potenzielle Al- ternativen auszuloten. Die Forschungs- leistung des Kollegs besteht vor allem darin, die sozialen Mechanismen eines „Immer mehr und nie genug“ systema- tisch zu untersuchen. Ihre zentrale Ar- beitsthese lautet: Moderne kapitalisti- sche Gesellschaften, die sich nur durch rasches, permanentes Wachstum stabi- lisieren können, sind in eine langwierige und historisch neuartige ökologisch- ökonomische Zangenkrise geraten. Über die Grenzen des Wachstums wird zwar seit langem diskutiert, jedoch ist neu, dass der Transformationsdruck mittler- weile die nationalen Wirtschaftsmodel- le und mit ihnen auch den Alltag der Menschen erreicht hat. Angewandte Forschung I: Ein Forschungspreis in der Kategorie „Angewandte Forschung“ und ein Preis- geld in Höhe von 12.500 Euro gehen an Prof. Dr.-Ing. Conrad Völker, Dr.-Ing. Hayder Alsaad, Lia Becher und Amayu Wakoya von der Bauhaus-Universität Weimar für ihre Forschungsarbeit „Op- tische Schlierenverfahren zur Visuali- sierung von Raumluftströmungen“. Was passiert, wenn wir husten? Wie weit reicht die Atemluft in den Raum? Und: Wirkt das Tragen eines Mund-Na- sen-Schutzes? Für das menschliche Auge Unsichtbares ist oft nur schwer zu begreifen. Vor dem Hintergrund der Co- rona-Pandemie ist dieses Grundprinzip der Forschung jedoch aktueller denn je. Häufig führt der Blick über den Tel- lerrand zu Fortschritt und Innovation. Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie der Bauhaus-Universität Weimar erhalten den dies- jährigen Thüringer Forschungspreis und ein Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro. „Corona zeigt uns deutlich, wie wichtig exzellente Forschung ist – und das nicht nur in Bezug auf medizinischen Fortschritt. Deshalb ist es gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig, die Leistungen unserer Forschungseinrichtungen und Hochschulen öffentlich zu würdigen“, betonte Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee bei der virtuellen Preisverleihung. Prof. Dr. Hartmut Rosa, Prof. Dr. Klaus Dörre und Prof. Dr. Stephan Lessenich (v.l.) erhalten den Forschungspreis in der Kategorie „Grundlagenforschung“.
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy NDE3NTI=